Der Jubiläumsband »Mords-Schmäh«, Teil 10: Eine Busfahrt, die ist lustig ..., aber manchmal auch anstrengend oder sogar mörderisch!
»So viel kann ich gar nicht trinken, dass mir das gefällt«, war Gustl Rombergers entsetzter Kommentar zu einer Busfahrt nach Wien, weshalb seine Lebensgefährtin Traudl stattdessen ihre Tochter zum Mitkommen bewegt.
So richtig wild ist Minnie nicht auf die Fahrt nach Wien mit ihrer Mutter Traudl: früh aufstehen, die lange Strecke mit einem steten Lärmpegel überstehen, Frühstücken unterwegs unter Zeitdruck, eine unruhige Bettnachbarin und und und.
Andererseits schadet ein bisschen Mutter-Tochter-Zeit auch nicht, oder?
Ähnlich ging es mir mit einer Busfahrt nach Wien mit meiner Mutter, die wir nicht nur einmal gemacht haben. Ein weiteres Mal waren meine beiden Töchter an Bord, in meiner Jugend kam ich mit meinen Großeltern dorthin, wenig später mit meinem Mann auf dem Weg nach Ungarn.
Wien bedeutet für mich »Musical-Besuch«, aber das vergangene Mal hatte ich meiner Mutter ein Johann-Strauß-Galadinner zum Geburtstag geschenkt. Auf dieser Reise – ich bin zwar nicht die Minnie, und meine Mutter entspricht nicht der Traudl (nur ein bisschen) – amüsierte und verwunderte das ein oder andere seltsame Erlebnis. Gleich das erste beim Frühstück habe ich recht genau für »Mords-Schmäh« verwendet, und dabei blieb es nicht.
Auch wir wurden am Museumsquartier zur Stadtbesichtigung für ein paar Stunden »freigelassen«, auch bei uns verschwand ein Mitreisender. Einen Toten gab es auf unserer Reise glücklicherweise nicht, ab hier kam meine Fantasie ins Spiel.
Natürlich wird an dieser Stelle nicht gespoilert, deshalb erzähle und zeige ich euch etwas von Wien aus zwei der Reisen, einmal im Advent, einmal kurz vor Ostern. Aber keine Angst, auch Wasserburg und das Rosenheimer Land sind wieder Locations im Jubiläumsband meiner Krimi-Minnie.
Wien ist eine Zwei-Millionen-Stadt, die größte Stadt und Hauptstadt Österreichs, fünftgrößte Stadt der EU und die zweitgrößte deutschsprachige Stadt nach Berlin. Unglaublich, oder?
Sie ist sehr international aufgestellt – auch wegen des Vienna International Centre (VIC), die UNO-City, das neben New York, Genf und Nairobi einer der vier Hauptsitze der Vereinten Nationen und so zudem ein bedeutender internationaler Standort für Organisationen und Konzerne ist.
Zum Thema Lebensqualität wird die an der Donau gelegene Stadt auch regelmäßig als eine der lebenswertesten Städte weltweit ausgezeichnet, besonders wegen Infrastruktur, Gesundheit und Grünflächen. Wien liegt zudem mit 200.000 Studierenden als größte Studentenstadt im deutschsprachigen Raum noch vor Berlin.
Neben der (völlig unrealistisch romantisierten) Geschichte von Kaiserin Sissi und Kaiser Franz sind die geschichtsträchtigen, wunderschönen Gebäude, Kirchen und Schlösser ein Anziehungspunkt für die Touristen, die Musicals, Operetten, Konzerte und mehr, das Vergnügungsviertel Prater, die Ausstellungen und Museen, die Fiaker und natürlich die Kaffeehäuser.
In diesen werden zu berühmten Torten wie der Sachertorte unzählige Kaffeesorten mit oder ohne Schlagobers (Schlagsahne) serviert. Es gibt die Wiener Melange, den Einspänner, den Verlängerten, den Kleinen oder Großen Braunen, den Franziskaner oder Kapuziner, den Kaffee verkehrt, den Fiaker oder den Zarenkaffee.
In der Vorstellung mit Galadiner wurde mir auch bewusst, wie östlich Wien, von Wasserburg aus gesehen, liegt. Jede Menge Menschen sprechen hier ungarisch oder tschechisch, wir zwei Deutschen waren in der Minderzahl an diesem Abend, ich glaube, es waren sogar mehr Amerikaner und Kanadier anwesend.
Es gibt wunderschöne Plätze, auf denen Märkte stattfinden, wie die Freyung oder vor Schloss Schönbrunn und traumhafte Beleuchtungen in der Weihnachtszeit wie hier am Rathausplatz.
Beeindruckend ist natürlich die UNO-City (wenn auch in meinen Augen nicht schön) und für mich im Besonderen, dass ich von der Brücke einen Blick auf den Handlungsort der SOKO Wien hatte, einer meiner Lieblings-TV-Krimis.
Neben den Musicals (x-mal Cats, Phantom der Oper, je 1x Die Schöne und das Biest, Rebecca) liebe ich das Hundertwasserhaus und den Blick von der Gloriette (siehe Buchcover von »Mords-Schmäh«) über Schönbrunn und die Stadt sowie die wunderbaren Eingänge zur U-Bahn, die ich so schön sonst nur aus Paris kenne.
Ihr seht also, Wien ist vielfältig und wunderschön, und wie ich finde, weit mehr als eine Reise wert. Ebenso wie die Museen in den erhabenen Gebäuden einen Besuch verdient haben, leider bleibt dafür bei einer Busreise viel zu wenig Zeit.
Hab ich euch neugierig gemacht, wie man so was in einen Minnie-Krimi einarbeiten kann?
Den Beweis trete ich mit einer kurzen Leseprobe an, aber natürlich rentiert es sich das ganze Buch zu lesen.
Und hier eine kurze Leseprobe aus »Mords-Schmäh«:
Traudl und ich überqueren den Burgring und den Opernring und flanieren über den kleinen Umweg Burggarten in Richtung Hofburg, mit Tausenden anderen Touristen, vielen Studenten und vermutlich auch ein paar Wienern und Wienerinnen. Ich laufe mich leicht in meinen Sportschuhen, die Traudl – in schicken Pumps mit eleganter Acht-Zentimeter-Höhe – mit einem Stirnrunzeln kommentiert. Ich muss zugeben, sie hängt nicht zurück, aber bald darauf an meinem Arm, als es auf die Kieswege und aufs Kopfsteinpflaster geht.
Ich bewundere die beeindruckende Kaiserresidenz aus der Barockzeit, deren Gebäude im Sonnenschein weiß strahlen. Die Bäume zeigen ihre ersten grünen Blätter, alles beweist, dass es Frühling wird. Als wir den Innenhof erreicht haben – der Stephansdom ist noch gut zehn Minuten entfernt – erspäht Traudl einen freien Platz in der Sonne, den sie sofort okkupiert. Ich werde mich sprachlich ein wenig an das Wienerisch anlehnen, beschließe ich grinsend, während ich dem bunten Sprachgewirr um mich herum lausche. Wien ist multikulti, herzlich, laut und sauteuer.
Ich nippe in winzigen Schlucken meine Wiener Melange, eine Kaffeespezialität, die etwa einem Cappuccino entspricht und sechs!!! Euro kostet. Jeder kostspielige Tropfen sollte gewürdigt werden. Aber in der angenehm warmen Sonne ist dieser Wucher leichter zu ertragen, es gibt viel zu sehen. Wunderschöne Fiakergespanne traben vorüber, die farbigen Bänder überall an Säulen und Palmen machen Lust auf Ostern.
Traudl mustert mich neugierig aus ihren blauen Augen, die heller strahlen als meine etwas dunkleren, über ihren Espresso hinweg. Wir teilen uns ein riesiges (und auch sehr teures) Tortenstück, das wunderbar schmeckt.
»Was sagst du?«
»Wozu? Zur Stadt? Der Wahnsinn. Gefällt mir sehr gut bis jetzt, kommt nicht ganz, aber nahe an Wasserburg heran.«
Sie lächelt mich an, während ich grinse. Das kleine Wasserburg mit der mondänen Weltstadt zu vergleichen, ist vermutlich ein Sakrileg, aber ich weiß, wohin mein Herz gehört. Fast scheint mir, als hätte sie nervös auf meine Antwort gewartet. Immerhin arbeiten wir immer noch an unserer Mutter-Tochter-Beziehung, die sich besonders seit den knapp zwei Jahren, seit Malika bei uns ist, enorm gebessert hat.
»Das freut mich sehr, nachdem ich dich fast gezwungen habe, mich zu begleiten.«
Sie ist tatsächlich nervös. Ich lege meine Hand auf ihre, was mir nach wie vor nicht leichtfällt. Die Erinnerung daran, wie sie mich als Kind zu Gustl und seiner verstorbenen Frau abgeschoben hat, ist immer noch präsent. Ich könnte mir nicht vorstellen, so wenig für meine kleine Tochter da zu sein. Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, wenn wir sie eine Nacht bei Toni beziehungsweise ihrer Tochter Fini lassen, die für Malika wie eine kleine Schwester geworden ist.
»Mama,« – auch das ist oft noch gewöhnungsbedürftig, da sie lange auf die Anrede »Traudl« bestanden hat, – »du hast mich nicht gezwungen, ich bin gern mit dir hier. Aber ab und zu wird es mir mit den Menschen vor allem im engen Bus zu viel, ich bin ja nicht umsonst meist allein in meiner Werkstatt. Obwohl ich oft unter Leuten bin, brauche ich meine Ruhephasen. Das macht mich vielleicht ab und zu gereizt.«
»Und da wäre es besser, ich lasse dich Hörbuch hören?«
Ich nicke. »Oder lesen oder schreiben …«
Diese Lust auf Ruhe, in der Natur oder Hängematte, hat zugenommen, weshalb ich mich entschieden habe, dass ich zwar weiterhin schreibe und meine Bücher auch als E-Books auf den Markt bringe, aber auf Lesungen verzichte.
»Liegt es am Alter, dass ich ruhebedürftiger bin?«
Traudl lacht mich natürlich aus.
»Schau ich so aus, als würd ich im Alter ruhiger?«
»Eher ned. Woran liegt es dann?«
»Du hast viel um die Ohren, mit deiner Kunst, dem Schreiben, den Stadtführungen und vor allem Mann und Kind. Vom Ermitteln ganz zu schweigen.«
Den letzten Punkt unterstreichen ihre Hände mit Gänsefüßchen in der Luft.
Nach einigen Minuten Ruhe, die wir mit geschlossenen Augen in der Sonne genießen, spazieren wir weiter und erreichen bald darauf den Stephansplatz mit dem grandiosen Blick auf die Domkirche. Der Steffl, wie ihn die Wiener nennen, bezeichnet eigentlich den höheren Südturm, nicht die ganze Kirche, die romanische und gotische Bauelemente hat. Ich bin ein Gotik-Fan und liebe die teils filigranen Strukturen und die bunten Glasfenster. Nachdem wir nun keinen Kaffee trinken müssen – und ich zahle für ein Wasser bestimmt keine fünf Euro, nur weil es in einem Glas nahe dem Dom ausgeschenkt wird, – können wir in Ruhe die Kirche besichtigen. Ein Blick auf die Uhr verrät uns danach, dass wir uns allmählich wieder auf den Rückweg machen müssen. Ich springe unterwegs in einen Supermarkt und besorge uns kleine Getränkeflaschen.
Wir durchqueren die Freyung, einen schönen Platz, auf dem sich der bunte Altwiener Ostermarkt befindet. Ich staune über kunstvoll bemalte Rieseneier. Ein Foto von der kleinen Minnie neben einem fast ebenso großen Ei findet seinen Weg zu den Daheimgebliebenen.
Von Alex kommt mit einem Lach-Emoji zurück: »Ist die Minnie frisch geschlüpft?«
Nach einigen Minuten der Bewunderung für die farbenfrohe dekorative Vielfalt mit Schleifen, Malerei, Wachskunst und vielem mehr spüre ich den herannahenden Augenkrebs und warte am Rand des Markts auf Traudl, die natürlich einkaufen muss. Aber das ist kein Opfer, denn die Sonne scheint und macht mich froh, außerdem kauft sie lieber hier Ostereier als in einer der Prachtstraßen teure Kleidung, Taschen oder Schuhe. Glücklicherweise hat sie nur Zeit für eine Kauf-Orgie.
Den Rückweg nehmen wir durch den Volksgarten, an dessen Wiesenrändern frisches hellgrünes Gras und in den sorgsam gepflegten Rabatten die ersten Krokusse sprießen.
***
Etwa um 17 Uhr kommen wir wieder an der Parkspur für die Busse an. Kein freier Platz und erst recht kein Bus unseres Veranstalters ist zu sehen. Dafür stehen vereinzelt Mitreisende im näheren Umkreis. Die Sonne ist bereits verschwunden, die Dämmerung zieht allmählich herauf. Die rasch abfallende Temperatur erinnert uns daran, dass wir noch März haben.
Karin taucht auf, allein, und sucht nach Steff, den sie unterwegs verloren hat. Sie eilt panisch hin und her und ruft nach ihm.
»Wie können Sie den Mann aus den Augen lassen?«, fragt Patrizia scharf, die mit ihren Bekannten bereit zum Einsteigen an der Bordsteinkante vor dem falschen Bus steht. Sie reibt sich mit den Händen über die Oberarme, da die dünne Sommerstrickjacke über dem Schlauchkleid sicher nicht sehr warm ist.
»Wo haben Sie ihn denn zuletzt gesehen?«, frage ich, um Ruhe in die Sache zu bringen. Sie hebt die Schultern.
»Dort drüben in dem Garten, glaube ich.«
»Können Sie ihn anrufen und herlotsen?«
Ihr breites Gesicht, dessen fahle Haut Flecken von der Aufregung trägt, erhellt sich.
»Ich probier es mal.«
In diesem Moment fährt der Bus weg, Patrizia springt zurück, und unser Bus parkt in die riesige Lücke ein. Kann man bei 15 Metern noch von einer Lücke reden?
Hans öffnet die Türen auf die herrische Handbewegung der Reiterhof-Chefin hin, die mit Tempo die Stufen hinaufsaust und einen Glühwein ordert, den er natürlich nicht hat. Wo soll der Mann denn bitte Glühwein kochen? Es gibt nicht ohne Grund neben Kaffee und Tee in fertig gefüllten Kannen nur Kaltgetränke in diesem Reisebus. Patrizia lässt sich einen Schnaps kredenzen, dann steigt Hans gemütlich aus. Die hintere Tür hat er geschlossen, damit der Fahrgastraum nicht so auskühlt. Er kommt zu Traudl, Karin und mir herüber, weil ihm vermutlich die Sorgenfalten auf zwei Stirnen aufgefallen sind. Traudl schafft es, sich unbeteiligt zu geben. Ich erkläre Hans die Lage, während Karin das Handy ans Ohr presst.
»Es klingelt, aber er geht ned hin«, meint sie gepresst, dann atmet sie auf. Offensichtlich hat ihr Reisegefährte den Anruf angenommen.
»Steff, ja, wo bist denn du? Wooo?«
Sie schaut uns ratlos an. »Ich weiß ned, was er meint.«
Hans übernimmt das Telefon und lauscht, runzelt die Stirn und sieht sich um.
»Er sagt, er sitzt vor dem großen Haus, an dem ihr ausgestiegen seid, auf einer Bank.«
Wir sehen uns um. Ich schlage ihm vor:
»Ich saus mal das Gebäude entlang. Deine Nummer habe ich ja.« Und Traudl raune ich zu: »Pass bitte auf, dass sie nicht auch noch verschwindet.«
Dank meines uneleganten, aber sportlichen Schuhwerks jogge ich auf das Kunsthistorische Museum zu, vor dessen Fassade alle paar Meter Bänke stehen, die durchwegs besetzt sind: eine Familie, eine stillende Frau nebst Ehemann, zwei ältere Damen, unser Quartett, von dem ein Viertel gerade hinter den Busch kotzt. Vorsorge für den Musicalbesuch?
»Der Bus ist schon da«, sage ich nur kurz angebunden und zeige mit dem Daumen über meine Schulter, bevor ich weitereile. Neben einer Bank mit einer Gruppe laut lachender Studenten, die in ihre Handys schauen, sehe ich auf der letzten Sitzgelegenheit vor dem Gebäudeende zwei Männer sitzen. Der lange Dünne ist Steff. Ich gehe auf ihn zu und werfe einen Blick auf seinen Sitznachbarn, der zu schlafen scheint. Sein Kopf ist auf die Brust gesunken.
»Steff, wir suchen Sie schon. Kommen’S mit zum Bus.«
Er schaut mich an, als überlege er, woher ich weiß, wie er heißt. Ich trete einen Schritt näher und bekomme dabei einen metallisch-süßen Geruch in die Nase, den ich nur zu gut kenne und gar nicht mag.
»Haben Sie sich verletzt, Steff?«
Er schüttelt den Kopf und starrt auf seinen Nachbarn.
»Ich ned, aber er!«
Am 6. März 2026 ist es so weit: Dann findet ihr »Mords-Schmäh« in den Buchhandlungen und online.
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